Historische Liebesbriefe

Auch historische Größen waren nicht vor Gefühlswallungen gefeit. Besonders schön, dieser zunächst nicht zuzuordnende, 3teilige Brief des Komponisten van Beethoven. Lassen Sie sich davon inspirieren um ihren eigenen Liebes Gruß zu schreiben.

Unsterbliche Geliebte

(- Ludwig van Beethoven wahrscheinlich an Antonie Brentano wohl 1812-)

am 6ten Juli Morgends. –

Mein Engel, mein alles, mein Ich. nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem) erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimmt1, welcher Nichtswürdiger Zeitverderb in d.g.  warum dieser tiefe Gram, wo die Nothwendigkeit spricht Kann unsre Liebe anders bestehn als durch Aufopferungen, durch nicht alles verlangen, kannst du es ändern, daß du nicht ganz mein, ich nicht ganz dein bin – Ach Gott blick in die schöne Natur und beruhige dein Gemüth über das müßende  die Liebe fordert alles und ganz mit Recht, so ist es mir mit dir, dir mit mir  nur vergißt du so leicht, daß ich für mich und für dich leben muß, wären wir ganz vereinigt, du würdest dieses schmerzliche eben so wenig als ich empfinden

meine Reise war schrecklich ich kam erst Morgens 4 uhr gestern hier an, da es an Pferde mangelte, wählte die Post eine andre Reiseroute, aber welch schrecklicher Weg, auf der vorlezten Station warnte man mich bey nacht zu fahren, machte mich einen Wald fürchten, aber das Reizte mich nur – und ich hatte Unrecht, der Wagen muste bey dem schrecklichen Wege brechen, grundloß, bloßer Landweg, [durchgestrichen: und di] ohne 2 solche Postillione, wie ich hatte, wäre ich liegen geblieben Unterwegs.  Esterhazi  hatte auf dem andern gewöhnlichen Wege hierhin dasselbe schicksaal, mit 8 Pferden, was ich mit vier.  Jedoch hatte ich zum Theil wieder vergnügen, wie immer, wenn ich was glücklich überstehe.

nun geschwind zum innern vom aüßern, wir werden unß wohl bald sehn, auch heute kann ich dir meine Bemerkungen nicht mittheilen, welche ich während dieser einigen Tage über mein Leben machte wären unsre Herzen immer dichtan einander, ich machte wohl keine d.g. die Brust ist voll dir viel zu sagen – Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die sprache noch gar nichts ist erheitre dich bleibe mein Treuer einziger schaz, mein alles, wie ich dir das übrige müßen die Götter schicken, was für unß seyn muß und seyn soll.

dein treuer ludwig.

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– Abends Montags am 6ten Juli –

Du leidest du mein theuerstes Wesen eben jezt nehme ich wahr daß die Briefe in aller Frühe aufgegeben werden müßen. Montags – Donnerstags die einzigen Täge wo die Post von hier nach K. geht – du leidest – Ach, wo ich bin, bist du mit mir, mit mir und dir rede ich mache daß ich mit dir leben kann, welches Leben!!!! so!!!! ohne dich – Verfolgt von der Güte der Menschen hier und da, die ich meyne – eben so wenig verdienen zu wollen, als sie zu verdienen Demuth des Menschen gegen den Menschen  sie schmerzt mich und wenn ich mich im Zusammenhang des Universums betrachte, was bin ich und was ist der den man den Größten nennt und doch  ist wieder hierin das Göttliche des Menschen

ich weine wenn ich denke daß du erst wahrscheinlich Sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst wie du mich auch liebst – stärker liebe ich dich doch – doch nie verberge dich vor mir

gute Nacht

als Badender muß ich schlafen gehen – [durchgestrichen: o geh mit, geh mit –] Ach gott – so nah! so weit! ist es nicht ein wahres HimmelsGebaüde unsre Liebe – aber auch so fest, wie die Veste des Himmels.

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– guten Morgen am 7ten Juli –

schon im Bette drängen sich die Ideen zu dir meine Unsterbliche Geliebte, hier und da freudig, dann wieder traurig, vom Schicksaale abwartend, ob es unß erhört leben kann ich entweder nur ganz mit dir oder gar nicht, ja ich habe beschlossen in der Ferne so lange herum zu irren, bis ich in deine Arme fliegen kann, und mich ganz heymathlich bey dir nennen kann, meine Seele von dir umgeben in’s Reich der Geister schicken kann – ja leider muß es seyn – du wirst dich fassen um so mehr, da du meine Treue gegen dich kennst, nie eine andre kann mein Herz besizen, nie – nie – O Gott warum sich entfernen müßen, was man so liebt, und doch ist mein Leben in V.[ien] so wie jezt ein kümmerliches Leben

Deine Liebe macht mich zum glücklichsten und zum unglücklichsten zugleich in meinen Jahren jezt bedürfte ich einiger Einförmigkeit Gleichheit des Lebens – kann diese bey unserm Verhältniße bestehn? Engel, eben erfahre ich, daß die Post alle Tage abgeht – und ich muß daher schließen, damit du den B. gleich erhältst – sey ruhig, nur durch Ruhiges beschauen unsres Daseyns können wir unsern Zweck zusammen zu leben erreichen – sey ruhig – liebe mich – heute – gestern – Welche Sehnsucht mit Thränen nach dir –
dir – dir – mein Leben – mein alles – leb wohl – o liebe mich fort – verken[ne] nie das treuste Herz deines Geliebten

L.
ewig dein
ewig mein
ewig unß

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